Zuviel des Guten – Durst und die richtige Trinkmenge

Viele werden das drängende Durstgefühl nach eine gut gewürzten Mahlzeit oder einer Wanderung bei warmem Wetter kennen – man kann die Flasche Wasser gar nicht schnell genug aufbekommen, leert sie vielleicht auch schon einmal in einem Zug, der Körper holt sich, was er braucht. Doch was, wenn Durst zum ständigen Begleiter wird und man mit dem Trinken kaum noch nachkommt? Neben einigen krankheitsbedingten Ursachen vermehrten Trinkens – einer Polydypsie – kann ein solches andauerndes Durstgefühl ebenfalls vorliegen, wenn keine körperliche Ursache zu finden ist. Dies wird dann als primäre Polydipsie bezeichnet. Viel und gesund zu trinken ist längst zum Trend geworden. Allerdings verhält es ich hier wie mit allem: Auch ein Zuviel des Guten schadet – eine den körperlichen Bedürfnissen angepasste Trinkmenge sollte nicht aus den Augen verloren werden. Doch manchmal fällt das schwer. Woher kommt der scheinbar grundlose Durst?

 

Dem Durst auf den Grund gegangen

Einer Polydypsie liegt oft in körperlichen Ursachen begründet, wenn beispielsweise Erkrankungen wie Diabetes vom Typ I u. II, das Cushing-Syndrom, Hepatopathien, Nieren- u. Schilddrüsenerkrankungen sowie Durchfällen, Erbrechen oder Fieber vorliegen. Hier kommt es zu einem vermehrten Flüssigkeitsverlust über die Haut, den Harn oder Stuhlgang, welcher kompensiert werden muss. Dies ist besonders für ältere Menschen wichtig, da sie von Dehydrationssymptomen besonders schnell betroffen sind. Es können verminderte kognitive Leistungsfähigkeit, Verwirrtheit und Schwindel auftreten. Hier sorgt das vermehrte Durstgefühl für eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme. Dadurch kann das Defizit an Flüssigkeit wieder ausgeglichen werden. Das ist neben der adäquaten Behandlung des Grundleidens eine wichtige Maßnahme.

Wenn die Psyche durstig macht

Liegt einem gesteigerten Durstgefühl keine körperliche Ursache zugrunde, nennt man dies eine primäre Polydipsie. Die Gründe hierfür sind oft in der Psyche der Betroffenen angesiedelt – beispielsweise bei vorliegen von  Erkrankungen wie Schizophrenie, während einer manischen Phase bei bipolaren Psychose oder bei einer Anorexia Nervosa. Teilweise rührt das Durstgefühl auch von der anticholinergen Wirkung von Medikamenten wie Antidepressiva, Betablockern, Inkontinenz- u. Beruhigungsmitteln her, welche häufig in der Behandlung älterer Menschen Verwendung finden und für trockene Mundschleimhäute sorgen, was dann wiederum zu vermehrtem und Trinken führt. Auch die Diätbemühungen vorwiegend jüngerer Frauen lassen diese oft zu häufig zum Wasserglas greifen, um aufkommenden Hungergefühlen vermeintlich entgegenzuwirken.

Doch kann man wirklich zu viel Trinken?

 

Wasser kann man gar nicht genug trinken?

Wasser gilt schon seit langem geradezu als Lebenselexir, das unabdingbar für körperliche und psychische Gesundheit ist. Als wesentlicher Bestandteil des menschlichen Körpers benötigt dieser, um optimal funktionieren zu können, ca. 1,5 bis 2 l Flüssigkeit pro Tag. Diese Menge sollte je nach Temperatur und körperlicher Aktivität angepasst werden https://www.gesundheit.gv.at/leben/ernaehrung/info/fluessigkeitsbedarf. Am besten geeignetes Getränk ist Wasser oder Mineralwasser, welches den Körper kalorienfrei mit ausreichend Flüssigkeit und zusätzlich mit Mineralstoffen versorgt und ausserdem optimales Transportmittel für Nährstoffe und Abfallprodukte körperlicher Ausscheidungsvorgänge ist. Schon ein Flüssigkeitsverlust von 1-2 % der Körpermasse lässt den Körper empfindlich reagieren. Das Blut dickt ein, der Nährstoff – und Sauerstofftransport über das Blut nimmt ab, die Konzentration lässt nach, es kann zu Thrombosen und Krampfanfällen kommen. Trinkt man regelmäßig über den Tag verteilt eine ausreichende Menge, bleibt der Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht, man fühlt sich wohl und körperliche Vorgänge laufen reibungslos ab.

Doch was, wenn man über den Bedarf hinaus trinkt? Der menschliche Körper vermag ca. 500 bis 800 ml pro Stunde aufnehmen, was darüber hinaus geht, wird wieder ausgeschieden. Kurzfristig kann eine zu hohe Trinkmenge kompensiert werden. Trinkt man allerdings dauerhaft zu viel, schadet dies dem Körper ebenso wie ein zu Wenig an Flüssigkeit. Mit verantwortlich ist hierfür z.B. auch ein Elektrolytverlust, der durch die vermehrte Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren zustande kommt. Vor allem die durch die erhöhte Harnmenge bedingte Hyponatriämie als häufigste Elektrolytstörung kann bei vorliegender Grunderkrankung wie einer Herzinsuffizienz schnell lebensbedrohlich werden und geht zu Beginn mit Schwindel und vermehrter Sturzneigung einher.  Hier gilt es die Ursachen des gesteigerten Durstgefühls abklären zu lassen und das Trinkverhalten anzupassen.

 

Was tun gegen den Durst?

Bei einer auf körperlichen Ursachen beruhenden Polydypsie sollte in erster Linie eine adäquaten Behandlung der Grunderkrankung durch einen Arzt stattfinden. Bei psychischen Erkrankungen kann auch die Zuhilfenahme von therapeutischer Unterstützung, zum Beispiel eine Verhaltensmodifikation, helfen. Wichtig ist auch, Elektrolyte zu substituieren, sollte es schon zu Mangelzuständen gekommen sein. Sportler greifen hier gerne zu isotonischen Getränken. Mit ihnen gleichen sie die über das Schwitzen und die vermehrte Ausscheidung nach einer trainingsbedingten erhöhten Trinkmenge ausgeschiedenen Elektrolyte aus. Bei in Eigenregie behandelbaren Erkrankungen wie Durchfällen können verlorengegangene Mineralien leicht mit Gemüsebrühe wieder zugeführt werden, die zudem den Durst lindert. Liegt eine krankheitsbedingte erhöhte Trinkmenge mit vermehrter Harnausscheidung und daraus resultierendem Elektrolytverlust vor, sollte hier die Substitution immer unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Trockene Mundschleimhäute führen zu einem vermehrten Durstgefühl. Um hier einem Zuviel an Flüssigkeitszufuhr vorzubeugen, können beispielsweise Fruchtsäfte oder ungesüßte Früchtetees als Getränk gewählt werden. Diese regen durch ihren Säuregehalt die Speichelproduktion an, die Mundschleimhaut wird wieder besser befeuchtet, das Durstgefühl lässt nach. Einen ähnlichen Effekt erzielt man durch Kaugummi kauen oder Zuckerfreie Fruchtbonbons.

 

Zurück zu Balance – auch beim Trinken

So gesund und wichtig ausreichendes Trinken ist, kommt es auch hier darauf an, die Balance zu halten und dem Körper genau so viel an Flüssigkeit zuzuführen, wie er benötigt. Trinkt man kurzfristig zu viel, wie etwa nach vermehrter körperlicher Anstrengung  oder stark gewürztem Essen, kann dies vom Organismus bedenkenlos ausgeglichen werden. Ein dauerhaftes Zuviel an Flüssigkeit schadet hingegen genauso wie Flüssigkeitsmangel. Hier gilt es, der Ursachen für das stark erhöhte Trinkbedürfnis, welches einen ständig zum Glas greifen lässt, auf den Grund zu gehen. Außerdem muss man eine Lösung finden, die wieder zu einem ausgeglichenen Verhältnis von Bedürfnis und Bedarf führt.