Johannisbeeren

Erdbeeren und Kirschen werden im Frühsommer am Straßenrand feilgeboten und man kommt nicht umhin, das eine oder andere Schälchen zu erstehen. Und dann natürlich die ganz großen, Pfirsich, Nektarine und Melone. In den Läden eher versteckt, ist das Angebot an Johannisbeeren nicht so üppig. Tauchen sie doch einmal auf, überlegt man sich vielleicht auch, ob man die kleinen Beeren mit den vielen Stängeln mit nach Hause trägt. Hier ist derjenige privilegiert, der ein paar Sträucher im heimischen Garten sein Eigen nennt. Denn die leicht säuerlichen Beeren in unterschiedlichen Farben sind nicht nur frisch gegessen ein sommerlicher Gaumenschmaus, sie ergeben auch leckeren Saft, Sirup, Tee, leichten Kuchenbelag und für ab und zu einen feinen Likör.

Sauer löscht den Durst – langfristig

Während die roten und weißen Vertreter der Johannisbeeren von den europäischen Sorten ribes rubrum, ribes vulgare, ribes petraeum und ribes multiflorum abstammen, ist der Vorfahr der schwarzen Johannisbeeren der ribes nigrum. Eng verwandt ist die Johannisbeere mit der Stachelbeere. Aus beiden ist eine gelungene Kreuzung hervorgegangen, die Jostabeere, in welcher sich die Vorzüge beider Beeren vereinen: sie haben die Größe von Stachelbeeren, sind schwarz, ihre Haut ist unbehaart und sie sind vitaminreich. Vom Aroma her sind sie süß und leicht säuerlich mit der feinen Herbe der schwarzen Johannisbeere[i]. Wem läuft nicht die Spucke im Mund zusammen, wenn man von diesen Beeren liest? Saftig, süß und sauer – allein der Gedanke an die Beeren löscht schon einmal den ärgsten Durst. Soweit sollte man es allerdings nicht kommen lassen. Viele Menschen trinken erst, wenn der Durst schon da ist – und damit zu spät. Durst ist ein Warnsignal des Körpers, der so anzeigt, dass er bereits dehydriert ist[ii]. Der Körper muss regelmäßig mit Flüssigkeit versorgt werden. Ebenso, wie es nicht ausreicht, am Tag gelegentlich ein paar Tiefe Atemzüge zu nehmen und den übrigen Tag die Luft anzuhalten, ist es nicht ausreichend, gelegentlich größere Mengen zu trinken und den Rest des Tages auf dem Trockenen zu sitzen. Dem steht schon die limitierte Aufnahmekapazität unseres Organismus entgegen. Zwischen 500 und 800 ml Flüssigkeit kann dieser pro Stunde aufnehmen, alles, was darüber hinaus geht, wird unverwertet wieder ausgeschieden.

Trinken wir ausschließlich Wasser, kann leicht das Gefühl entstehen, es könnte noch mehr sein. Mischen wir uns hingegen eine Johannisbeerschorle, versorgt diese unseren Organismus nicht nur mit Flüssigkeit, Vitaminen und Mineralstoffen, durch den säuerlichen Geschmack kurbelt sie zusätzlich die Speichelproduktion an, die Mundhöhle bleibt langfristig gut befeuchtet, was auch antibakteriell wirkt, wir fühlen uns länger mit Flüssigkeit gesättigt.

Rot, schwarz, rund – gesund!

Sie schmecken nicht nur gegessen oder getrunken, sie sind zudem ausgesprochen gesund. Johannisbeeren gehören zu den wohl wertvollsten heimischen Beerenarten. Der Vitamin-C-Gehalt der schwarzen Johannisbeere liegt bei 180 mg pro 100 g, die roten Beehren enthalten lediglich 40 mg. So kann man mit Johannisbeeren nicht nur Gesundes naschen, sondern – verarbeitet man sie zu Saft – hiervon auch noch bis in den Herbst hinein profitieren und das Immunsystem noch einmal stärken, bevor die Erkältungssaison losgeht. Weitere Inhaltsstoffe der Johannisbeeren sind die antioxidativ wirkenden Anthocyane, dazu Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Potassium, Phosphor, Ballaststoffe, Gamma-Linolensäure, Provitamin A, Vitamine B, E, K, P, PP, Pektin. Die Blätter enthalten u.a. ätherische Öle, Gerbstoffe und Biophenole (Quercitin, Rutin).

Immer mehr Bedeutung kommt der in den Johannisbeeren enthaltenen Gamma-Linolensäure zu. An dieser Fettsäure kann es Menschen mit Neurodermitis mangeln, so dass diese zugeführt werden sollte[vi]. Die Gamma-Linolensäure ist in den Kernen der Johannisbeeren zu finden. Nimmt man hiervon in ausreichenden Mengen zu sich, wird die Schutz- und Barrierefunktion der Haut und auch ihr Bindevermögen für Feuchtigkeit wiederhergestellt. Leidet man – nicht nur bei Neurodermitis – an zu trockener Haut, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr die erste Maßnahme, die Abhilfe schafft. Die menschliche Haut besteht zu ca. 80 Prozent aus Wasser. Um diesen Feuchtigkeitsgehalt aufrecht zu erhalten, müssen wir ausreichend trinken – ca. 1,5 bis 2 Liter pro Tag. So bleibt die Haut gut durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, ihr Stoffwechsel funktioniert optimal und ihre Barrierefunktion ist intakt[vii]. Gerade im Sommer, wo unsere Haut schädlichen Einflüssen wie Sonneneinstrahlung und Wasser beim Schwimmen ausgesetzt ist, sehr wichtig. Trinken wir hier nicht nur (Mineral-)Wasser, sondern ergänzen die tägliche Trinkmenge durch Johannisbeersaft, in dem die ganzen Beeren verarbeitet wurden, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Durch die in ihm enthaltene Gamma-Linolensäure wird die Schutzfunktion der Haut verbessert und übermäßiger Feuchtigkeitsverlust verhindert.

Getränkevielfalt

Johannisbeerschorle als spritzige Erfrischung, Cassis als schmackhafter Farbtupfer im Prosecco, genannt Kir Royal, der pure Saft als gesunde Nahrungsergänzung – das ist allerdings noch nicht alles.

In der Naturheilkunde werden getrocknete Johannisbeeren schon lange als Heiltee eingesetzt. Dieser lindert rheumatische Beschwerden, hilft bei Durchfall und regt den Stoffwechsel an. Auch der Vitamin-C-Gehalt der Beeren bleibt beim Trocknen erhalten, so dass von diesem nicht nur beim Verzehr frischer Beeren profitiert werden kann.

Für einen Johannisbeertee, der nicht nur gesund ist, sondern auch eine wohlschmeckende Ergänzung für unseren täglichen Trinkplan, sammelt man in der Johannisbeerzeit um den 24 Juni – an dem Johannes, der Täufer, der hierzulande Namensgeber für die kleinen Beeren ist, geboren wurde – Beeren und Blätter des Strauches und lässt diese an einem trockenen, lichtgeschützen Ort trocknen. Nach ca. einer

 Woche kann man Beeren und zerkleinerte Blätter in ein verschließbares, dunkles Glas oder eine Teedose geben. Für eine Kanne Johannisbeertee übergießt man 30 g der Blätter mit einem Liter kochendem Wasser, lässt dies 10 Minuten abgedeckt ziehen und trinkt den Tee – pur oder leicht mit Wildhonig gesüßt – über den Tag verteilt, denn nicht nur heiß getrunken ist Johannisbeertee ein gesunder Genuss.

Johannisbeeren – leckere Früchtchen und rundes Trinkvergnügen

Ob man sie nun isst oder trinkt, werden Johannisbeeren zur rechten Zeit geerntet, erfrischen Sie köstlich und wirken auch noch in getrocknetem Zustand. Als Saft oder Tee begleiten sie unseren Trinkplan das ganze Jahr über und helfen Haut und Immunsystem dabei, gut durch die Jahreszeiten zu kommen. Kleine, saftige Früchtchen, die es in sich haben!

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